SPRICH MIT DIR!

OSCAR WILDE MEINTE BEREITS: „ES IST EINES MEINER GRÖSSTEN VERGNÜGEN OFT UND LANGE MIT MIR GESPRÄCHE ZU FÜHREN.“

Wer unterwegs vor sich hin blabbert und zu sich selber spricht, wirkt immer ein wenig schräg, oder? Dabei können Gespräche mit uns selbst eine ziemlich gesunde Angelegenheit sein. Können! Und deshalb gilt, wie schon der Autor George Wells schrieb: Interessante Selbstgespräche setzen einen klugen Gesprächspartner voraus.

Wir alle führen Selbstgespräche. Kinder führen Sie noch laut, später werden Sie nur noch gedacht.

Die Gefahr in diesen Gesprächen ist eigentlich nur eines: Unschöne Selbstaussagen prägen das Selbstbild genauso wie die schönen Aussagen. Überwiegen negative Gefühle und Gedanken oder beschäftigt man sich die ganze Zeit mit dem eigenen Versagen, dann können sie unsicher, unzufrieden, bitter oder gar wütend machen. Diese Gedanken kriechen dann sukzessive in unser Unterbewusstsein und suchen geradezu nach Rekonstruktion in unserer Realität. #selbsterfüllendeprophezeiung.

ERFOLGREICHER DURCH SELBSTGESPRÄCHE

Dass Selbstgespräche zu besseren Ergebnissen führen, konnte bereits belegt werden.

In einer Studie der Universität Bamberg und der Universität Wien sollten Probanden eine Ingenieursaufgabe jeweils allein lösen und wurden dabei gefilmt.

Und siehe da: Die besten Resultate erzielten diejenigen, die sich während der Bearbeitungszeit die Fragen laut denkend selbst gestellt hatten.

Allerdings waren nur die analytischen Fragen hilfreich. „Wie befestige ich das jetzt hier?“.

Fragen oder Aussagen der Kategorie „Wie kann ich nur so blöd sein?“ hatten null positiven Effekt.

Eine andere Studie in Pennsylvania konnte zusätzlich nachweisen, dass diese Fragen beim Konzentrieren ebenso helfen wie beim Merken oder Wiederfinden von Dingen. Insbesondere bei Gedächntnistests konnten die Probanden durch den lautstarken Selbstdialog und Aussprechen einzelner Motive diese prompt besser wiederfinden.

Selbstgespräche können

  • die eigene Performance steigern
  • Störelemente ausblenden
  • helfen, Probleme schneller und besser zu lösen
  • Stress abbauen
  • Aggressionen oder Wut reduzieren
  • für einen umfangreicheren Blick sorgen.

In einem anderen Test an der Universität Michigan sollten Teilnehmer innerhalb von fünf Minuten erklären, warum sie für ihren Lieblingsjob qualifiziert sind.

Um den Stresslevel für die Teilnehmer zu erhöhen, erzählten ihnen die Wissenschaftler, dass sie ihre Rede im Anschluss vor zahlreichen bedeutenden Personalexperten halten müssten.

Und damit das nicht genug ist, bekamen die Teilnehmer auch nur fünf Minuten Vorbereitungszeit und durften absolut nichts notieren. Stattdessen sollten Sie Selbstgespräche führen, um Ihren Stress zu reflektieren und zu reduzieren.

Der einzige Unterschied in den Gruppen:

Die eine Hälfte wurde instruiert, dabei in der Ich-Formzu sprechen. Also nach dem Motto: „Ich bin gerade gestresst. Aber ich schaffe das…“

Die zweite Hälfte sollte im Gegensatz dazu zu sich selbst nur namentlich und in dritter Person sprechen . Also: „Herr Sajdak ist total gestresst. Aber Herr Sajdak schafft das…“

Die Version klingt nach jemandem mit einem gewaltigen Dachschaden, oder? Sie hat aber einen netten Effekt:

Nicht nur, dass die Probanden die mit sich selbst nur in dritter Person sprachen, bei den Experimenten durchweg besser abschnitten und sich selbst souveräner vor dem Gremium präsentierten.

Bei weiteren Untersuchungen zeigte sich auch, dass die Teilnehmer entspannter blieben und die Situation weniger ängstlich, dafür mehr herausfordernd und sogar mit Freude erlebt hatten.

ABSTAND ZU SICH SELBST

Der entscheidende Trick ist somit, durch die Verwendung der dritten Person einen psychologischen Abstand zu sich selbst aufzubauen. Sie entfernen sich damit aus der misslichen Lage und operieren gedanklich als ihr eigener Berater.

Insofern – das Wochenende steht direkt bevor:

Wann setzen Sie sich mal wieder hin und führen eine schöne Konversation mit sich selbst?

Z.B. mit der Frage: Was ist Ihnen diese Woche gut gelungen?

Hier ein paar kleine Tipps zu diesen Gesprächen:

Keine negativen Aussagen

„Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.“

Vermeiden Sie also negative Aussagen, wie „Das schaffst du wieder nicht!“ oder „Dafür bist du einfach zu blöd!“ Formulieren Sie lieber Sätze wie: „Von jetzt an kann es nur noch besser werden.“ „Mir kann ja nichts passieren!“

 Nicht pauschalieren

„Das ist ja mal wieder typisch für dich!“, „Nie bringst du eine Sache zum Ende!“, „Ständig ignorieren mich die Kollegen!“ – solche Pauschalierungen sind in der Regel nicht nur faktisch falsch, sie wirken sowohl im Gespräch mit anderen als auch mit uns selbst eher desaströs. Schneller lassen sich Minderwertigkeitskomplexe kaum erzeugen. Schlagen Sie sich solche Gedanken lieber sofort und kategorisch aus dem Kopf.

Seien Sie ehrlich zu sich

Das bedeutet nicht gnadenlose Selbstkasteiung, sondern eine ehrliche Analyse Ihrer Schwächen und Misserfolge. Erfolg hat immer etwas mit Reproduktion zu tun. Nur so können Sie daraus lernen, was Sie das nächste Mal besser und bewusster machen. Auch das sollten Sie anschließend möglichst konkret formulieren und aussprechen.

Wägen Sie ab

Wenn Sie schon mal Zeit für sich nehmen, dann auch richtig: Diskutieren Sie ruhig sämtliche Vor- und Nachteile einer Entscheidung, die Ihnen in den Gedanken kommen und wägen Sie diese ab. Hauptsache, Sie treffen hinterher auch eine Entscheidung. Andernfalls vergrößern Sie das Hindernis, das vor Ihnen liegt, nur noch.